Das Buch Genesis ist das Fundament der gesamten Heiligen Schrift. Es ist das Buch der Anfänge: der Anfang der Schöpfung, der Anfang der Menschheit, der Anfang der Sünde – und der Anfang der Erlösung. Ohne die Genesis bleibt die Bibel ein Gebäude ohne Fundament, ein Drama ohne ersten Akt. Alles, was in den übrigen 65 Büchern der Bibel entfaltet wird, hat seinen Keim in diesem einen Buch.
Der griechische Name *Genesis* (Γένεσις) bedeutet „Ursprung„ oder „Entstehung“ und wurde von der Septuaginta – der griechischen Übersetzung des Alten Testaments – übernommen. Der hebräische Name des Buches lautet *Bereschit* (בְּרֵאשִׁית), was „Im Anfang„ bedeutet – nach dem ersten Wort des Buches. Diese Benennung nach dem Anfangswort ist in der jüdischen Tradition üblich und bringt zugleich das Wesen des Buches auf den Punkt: Es handelt vom Anfang aller Dinge.
Die traditionelle jüdische und christliche Zuschreibung nennt Mose als Verfasser der fünf Bücher des Gesetzes (des *Pentateuch*). Diese Zuschreibung wird durch das Zeugnis Jesu Christi selbst bestätigt:
Jesus selbst bezeugt: Mose hat „von mir geschrieben“. Damit bestätigt der Herr nicht nur die mosaische Verfasserschaft, sondern enthüllt zugleich den tiefsten Inhalt der Genesis: Sie handelt von Christus.
Das Buch Genesis umfasst 50 Kapitel und lässt sich in zwei große Hauptteile gliedern:
Die Urgeschichte behandelt die universale Geschichte der Menschheit von der Schöpfung bis zur Zerstreuung der Völker:
Mit der Berufung Abrahams verengt sich der Blick vom Universalen zum Partikularen: Gott erwählt ein Volk, durch das er die ganze Welt segnen will.
Die Genesis ist durchwirkt von Hinweisen auf den kommenden Erlöser. Einige der bedeutendsten christologischen Stellen:
Dies ist die erste Verheißung des Erlösers in der gesamten Bibel – das „Erstevangelium“ (*Protevangelium*). Mitten im Gericht über die Schlange leuchtet die Gnade auf: Ein Nachkomme der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten. In Jesus Christus hat sich diese Verheißung erfüllt: Am Kreuz hat er den Satan besiegt, obwohl er dabei selbst verwundet wurde („in die Ferse stechen„).
Melchisedek ist zugleich König und Priester – eine Verbindung, die im levitischen System Israels unmöglich war. Er erscheint ohne Geschlechtsregister, ohne Anfang und ohne Ende – ein geheimnisvoller Typus auf Christus, der nach der Ordnung Melchisedeks Priester ist in Ewigkeit (Hebräer 7, 17).
Abraham erhält den Befehl, seinen einzigen, geliebten Sohn auf dem Berg Morija zu opfern – jenem Berg, auf dem später der Tempel Salomos stehen und in dessen Nähe Christus am Kreuz sterben wird. Isaak trägt das Holz auf seinem Rücken wie Christus das Kreuz. Abraham spricht prophetisch:
Das ganze Kapitel ist ein Schattenbild von Golgatha: der Vater, der seinen einzigen Sohn hingibt, der Sohn, der gehorsam ist bis zum Tod, und Gott selbst, der das Opfer ersieht.
In Jakobs Segen über seinen Sohn Juda wird der kommende Messias angekündigt: der „Held„ (*Schilo*), dem die Völker anhangen werden. Jesus Christus, der Löwe aus dem Stamm Juda (Offenbarung 5, 5), ist die Erfüllung dieser uralten Verheißung.
Zehn Worte im Hebräischen – und doch enthalten sie die gewaltigste Aussage, die je gemacht wurde. In einem einzigen Satz wird der Materialismus widerlegt (es gibt einen Schöpfer), der Pantheismus (Gott ist von der Schöpfung unterschieden), der Polytheismus (ein einziger Gott hat alles geschaffen) und der Dualismus (Gott allein ist der Ursprung von allem). Dieser Vers ist das Fundament aller biblischen Theologie.
Die Genesis lehrt uns, wer Gott ist: der souveräne Schöpfer, der gerechte Richter und der gnädige Erlöser. Sie lehrt uns, wer der Mensch ist: Geschöpf Gottes, als sein Ebenbild geschaffen, gefallen durch die Sünde, aber nicht aufgegeben von seinem Schöpfer. Und sie lehrt uns, wer Christus ist: der verheißene Same der Frau, auf den alle Väter gewartet haben und in dem alle Verheißungen ihr Ja und Amen finden (2. Korinther 1, 20).
Wer die Genesis versteht, versteht die ganze Bibel. Denn alle großen Themen der Schrift – Schöpfung und Fall, Gericht und Gnade, Erwählung und Verheißung, Glaube und Gehorsam – werden hier zum ersten Mal entfaltet und ziehen sich wie goldene Fäden durch das gesamte Wort Gottes hindurch bis hin zur Offenbarung, in der alles zur Vollendung kommt.
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Siehe auch: Eden | Sündenfall | Protevangelium | Abraham | Jakob | Josef | Offenbarung