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Bibel:Genesis

Genesis – Das erste Buch Mose

Das Buch Genesis ist das Fundament der gesamten Heiligen Schrift. Es ist das Buch der Anfänge: der Anfang der Schöpfung, der Anfang der Menschheit, der Anfang der Sünde – und der Anfang der Erlösung. Ohne die Genesis bleibt die Bibel ein Gebäude ohne Fundament, ein Drama ohne ersten Akt. Alles, was in den übrigen 65 Büchern der Bibel entfaltet wird, hat seinen Keim in diesem einen Buch.

Name und Etymologie

Der griechische Name *Genesis* (Γένεσις) bedeutet „Ursprung„ oder „Entstehung“ und wurde von der Septuaginta – der griechischen Übersetzung des Alten Testaments – übernommen. Der hebräische Name des Buches lautet *Bereschit* (בְּרֵאשִׁית), was „Im Anfang„ bedeutet – nach dem ersten Wort des Buches. Diese Benennung nach dem Anfangswort ist in der jüdischen Tradition üblich und bringt zugleich das Wesen des Buches auf den Punkt: Es handelt vom Anfang aller Dinge.

Verfasserschaft

Die traditionelle jüdische und christliche Zuschreibung nennt Mose als Verfasser der fünf Bücher des Gesetzes (des *Pentateuch*). Diese Zuschreibung wird durch das Zeugnis Jesu Christi selbst bestätigt:

„Habt ihr nicht gelesen im Buch Mose's, bei dem Busch, wie Gott zu ihm sagte und sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?“Markus 12, 26
„Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. So ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?„Johannes 5, 46-47

Jesus selbst bezeugt: Mose hat „von mir geschrieben“. Damit bestätigt der Herr nicht nur die mosaische Verfasserschaft, sondern enthüllt zugleich den tiefsten Inhalt der Genesis: Sie handelt von Christus.

Gliederung und Inhalt

Das Buch Genesis umfasst 50 Kapitel und lässt sich in zwei große Hauptteile gliedern:

I. Die Urgeschichte (Kapitel 1-11)

Die Urgeschichte behandelt die universale Geschichte der Menschheit von der Schöpfung bis zur Zerstreuung der Völker:

  • Schöpfung (Kap. 1-2): Gott schafft Himmel und Erde in sechs Tagen und ruht am siebten. Der Mensch wird als Bild Gottes geschaffen (1. Mose 1, 27).
  • Sündenfall (Kap. 3): Die Schlange verführt den Menschen. Das Paradies geht verloren, doch Gott gibt die erste Verheißung des Erlösers (1. Mose 3, 15).
  • Kain und Abel (Kap. 4): Der erste Mord. Das Blut des Gerechten schreit von der Erde (1. Mose 4, 10).
  • Geschlechtsregister und Noahs Berufung (Kap. 5-6): Die Linie der Verheißung von Adam über Seth bis Noah.
  • Die Sintflut (Kap. 6-9): Das Gericht über eine verdorbene Welt. Noah findet Gnade vor dem HERRN (1. Mose 6, 8). Die Arche wird zum Bild der Rettung durch Gott.
  • Turmbau zu Babel (Kap. 11): Der Hochmut der Menschheit und die Zerstreuung der Völker durch die Verwirrung der Sprachen.

II. Die Vätergeschichte (Kapitel 12-50)

Mit der Berufung Abrahams verengt sich der Blick vom Universalen zum Partikularen: Gott erwählt ein Volk, durch das er die ganze Welt segnen will.

  • Abraham (Kap. 12-25): Die Berufung aus Ur in Chaldäa, die Verheißung eines Sohnes, der Bund der Beschneidung, die Opferung Isaaks auf dem Berg Morija.
  • Isaak (Kap. 25-27): Der Sohn der Verheißung. Sein Leben steht im Schatten seines Vaters Abraham und seiner Söhne Esau und Jakob.
  • Jakob / Israel (Kap. 28-36): Der Betrüger, der zum Gottesstreiter wird. Am Jabbok ringt er mit Gott und empfängt den Namen Israel (1. Mose 32, 28).
  • Josef (Kap. 37-50): Der von seinen Brüdern verworfene und nach Ägypten verkaufte Sohn, der zum Retter seiner ganzen Familie wird – einer der eindrücklichsten Typen auf Christus im gesamten Alten Testament.

Christus in der Genesis

Die Genesis ist durchwirkt von Hinweisen auf den kommenden Erlöser. Einige der bedeutendsten christologischen Stellen:

Das Protevangelium (1. Mose 3,15)

„Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.„1. Mose 3, 15

Dies ist die erste Verheißung des Erlösers in der gesamten Bibel – das „Erstevangelium“ (*Protevangelium*). Mitten im Gericht über die Schlange leuchtet die Gnade auf: Ein Nachkomme der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten. In Jesus Christus hat sich diese Verheißung erfüllt: Am Kreuz hat er den Satan besiegt, obwohl er dabei selbst verwundet wurde („in die Ferse stechen„).

Melchisedek (1. Mose 14,18)

„Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten.“1. Mose 14, 18

Melchisedek ist zugleich König und Priester – eine Verbindung, die im levitischen System Israels unmöglich war. Er erscheint ohne Geschlechtsregister, ohne Anfang und ohne Ende – ein geheimnisvoller Typus auf Christus, der nach der Ordnung Melchisedeks Priester ist in Ewigkeit (Hebräer 7, 17).

Die Opferung Isaaks (1. Mose 22)

Abraham erhält den Befehl, seinen einzigen, geliebten Sohn auf dem Berg Morija zu opfern – jenem Berg, auf dem später der Tempel Salomos stehen und in dessen Nähe Christus am Kreuz sterben wird. Isaak trägt das Holz auf seinem Rücken wie Christus das Kreuz. Abraham spricht prophetisch:

„Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer, mein Sohn.„1. Mose 22, 8

Das ganze Kapitel ist ein Schattenbild von Golgatha: der Vater, der seinen einzigen Sohn hingibt, der Sohn, der gehorsam ist bis zum Tod, und Gott selbst, der das Opfer ersieht.

Der Segen über Juda (1. Mose 49,10)

„Es wird das Zepter von Juda nicht entwendet werden noch ein Meister von seinen Füßen, bis daß der Held komme; und demselben werden die Völker anhangen.“1. Mose 49, 10

In Jakobs Segen über seinen Sohn Juda wird der kommende Messias angekündigt: der „Held„ (*Schilo*), dem die Völker anhangen werden. Jesus Christus, der Löwe aus dem Stamm Juda (Offenbarung 5, 5), ist die Erfüllung dieser uralten Verheißung.

Schlüsselvers

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“1. Mose 1, 1

Zehn Worte im Hebräischen – und doch enthalten sie die gewaltigste Aussage, die je gemacht wurde. In einem einzigen Satz wird der Materialismus widerlegt (es gibt einen Schöpfer), der Pantheismus (Gott ist von der Schöpfung unterschieden), der Polytheismus (ein einziger Gott hat alles geschaffen) und der Dualismus (Gott allein ist der Ursprung von allem). Dieser Vers ist das Fundament aller biblischen Theologie.

Bedeutung für den Glauben

Die Genesis lehrt uns, wer Gott ist: der souveräne Schöpfer, der gerechte Richter und der gnädige Erlöser. Sie lehrt uns, wer der Mensch ist: Geschöpf Gottes, als sein Ebenbild geschaffen, gefallen durch die Sünde, aber nicht aufgegeben von seinem Schöpfer. Und sie lehrt uns, wer Christus ist: der verheißene Same der Frau, auf den alle Väter gewartet haben und in dem alle Verheißungen ihr Ja und Amen finden (2. Korinther 1, 20).

Wer die Genesis versteht, versteht die ganze Bibel. Denn alle großen Themen der Schrift – Schöpfung und Fall, Gericht und Gnade, Erwählung und Verheißung, Glaube und Gehorsam – werden hier zum ersten Mal entfaltet und ziehen sich wie goldene Fäden durch das gesamte Wort Gottes hindurch bis hin zur Offenbarung, in der alles zur Vollendung kommt.

Siehe auch: Eden | Sündenfall | Protevangelium | Abraham | Jakob | Josef | Offenbarung