Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


praeterismus

Der Präterismus

Der Präterismus (von lat. *praeter* = vergangen) ist eine theologische Sichtweise der Endzeit, die davon ausgeht, dass die meisten oder sogar alle prophetischen Ereignisse der Offenbarung bereits in der Vergangenheit erfüllt wurden. Im klassischen Präterismus wird die Erfüllung dieser Prophetien meist im ersten Jahrhundert n. Chr. gesehen, insbesondere mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer.

Theologische Schwerpunkte

  • Fokus auf die damalige Leserschaft: Die Offenbarung wird stark als Trostbuch für die verfolgten Christen im Römischen Reich unter Nero oder Domitian verstanden.
  • Das Tier aus dem Meer: Wird meistens mit dem Römischen Reich oder spezifisch mit Kaiser Nero (dessen Name im Hebräischen den Zahlenwert 666 ergeben kann) identifiziert.
  • Babylon die Große: Wird in dieser Sichtweise oft als das abtrünnige, irdische Jerusalem verstanden, das Christus abgelehnt hat und deshalb im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde (teilweise auch als das heidnische Rom).

Unterscheidung

Man unterscheidet grundlegend zwischen dem partiellen Präterismus (der noch eine zukünftige Wiederkunft Christi und ein kommendes Endgericht erwartet) und dem extremen Vollpräterismus (der behauptet, dass auch die Wiederkunft und die Auferstehung bereits im 1. Jahrhundert unsichtbar bzw. geistlich stattgefunden haben). Letzterer wird von der orthodoxen Christenheit als Häresie abgelehnt.